Aufstehn für die Pflege

    ver.di und die Pflege

    Das Selbstverständnis der Pflegenden

    Positionsbestimmungen beschlossen

    Nach einem langen Diskussionsprozess, der u.a. auch maßgeblich im ver.di-Pflegebeirat in Rheinland-Pfalz und dem Saarland geführt wurde, hat der Bundesfachbereichsvorstand Ende April 2021 das Papier „Unser berufliches Selbstverständnis: Ganzheitliche Pflege zukunftssicher gestalten“ verabschiedet.

    Vorher hatte der Pflegebeirat dieses Papier auch im Landesfachbereichsvorstand zur Diskussion gestellt. Es dokumentiert nun die Positionen des ver.di-Bundesfachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen zu zentralen berufspolitischen Fragen.

    Unser berufliches Selbstverständnis

    Zuvor hatten sich auf Bundesebene die Projektgruppe Pflege und eine Reihe von Fachkommissionen sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Rückmeldungen zum Entwurf des Papieres wurden eingeholt und die Vorschläge entsprechend eingearbeitet. Auch auf unserer Pflegekonferenz 2020 in Kaiserslautern war der Entwurf Gegenstand der Beratungen. Die dort geleisteten Diskussionsbeiträge und Arbeitsgruppenergebnisse gingen mit in das Papier ein.

    Silke Präfke im Gespräch ver.di FB 03 RPS Unsere Präsidentin Silke Präfke im Gespräch

    Hintergrund ist die derzeit stattfindende Weiterentwicklung der Pflegeberufe, die auch unmittelbar ihr berufliches Selbstverständnis berührt. Wenn aktuelle Entwicklungen es nahelegen, sollen gegebenenfalls weitere Aspekte in das Positionspapier einbezogen werden. „Wir verstehen es als ein lebendiges Papier, das wir auch weiterentwickeln werden,“ stelle die Präsidentin des Pflegebeirates, Silke Präfke, fest.

    Gleich am Anfang heißt es: „Pflegerische Tätigkeit erfordert, den ganzen Menschen zu betrachten. In ihrem Kern ist pflegerische Tätigkeit Beziehungsarbeit. Diese setzt einen direkten Umgang und ausreichend viel Zeit für die zu pflegenden Menschen voraus. Eine ganzheitliche Pflege bezieht sich dabei auf den gesamten Pflegeprozess. Jede Pflegefachperson muss deshalb im Rahmen des Pflegeprozesses insbesondere die Bedarfserhebung, Planung, Durchführung und Evaluation leisten und in der Lage sein, eigenverantwortlich Entscheidungen treffen zu können.“

    Pflegepersonen diskutieren ver.di FB 03 RPS Pflegepersonen diskutieren

    Pflege und Gewerkschaft

    Fast zeitgleich legte im Mai 2021 der Pflegebeirat aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland ein weiteres ver.di-Diskussionspapier gemeinsam mit des Arbeitskreises Pflegeberufes aus Baden-Württemberg mit dem Titel „Unser Selbstverständnis als gewerkschaftlich organisierte Pflegepersonen“ vor. Auch hier geht es um die Aufwertung des Pflegeberufes und der Schaffung von Verhältnissen, unter denen Gute Arbeit und Gute Pflege möglich ist.

    Susanne Pleines von der UMM ist auch Mitglied im ver.di-Pflegebeirat Rheinland-Pfalz-Saarland ver.di FB 03 RPS Susanne Pleines von der UMM
    Diskussionspapier aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg ver.di FB 03 RPS Titel Diskussionspapier

    Betont wird die Wichtigkeit der Teamarbeit im Gesundheitswesen und die Widerspiegelung in der Organisationsstruktur. „Der Zusammenhalt aller ist unsere Stärke und macht uns erfolgreich,“ heißt es in dem Papier. Ausgesprochen wird sich gegen ein Pflegeverständnis, das gewissermaßen am grünen Tisch, wie bei einem Werkstück, die Pflege als eine Aneinanderreihung von Einzelleistungen sieht. Dies soll auch noch teilweise auf Beschäftigte ohne Ausbildung aufgeteilt werden. So würde keine Gute Pflege erreicht werden. Gemeinsames und solidarisches Handeln seien Bedingung um Erfolge durchsetzen zu können.

    Arbeitsgruppenergebnisse ver.di FB 03 RPS Arbeitsgruppenergebnisse

    ver.di wehrt sich gegen alle Versuche, die Pflege durch Zwangsmaßnahmen versuchen zusichern. „Wir organisieren uns in ver.di, weil wir die Verhältnisse im Interesse von uns abhängig Beschäftigten nachhaltig verändern, menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen erreichen und materielle Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe durchsetzen wollen. Wir wollen eine starke, selbstbewusste Pflege, die solidarisch mit anderen Berufsgruppen im Team ihre Aufwertung und Entlastung erkämpft. Dabei wollen wir gestalten und verändern und sind bei der Bestimmung unserer Ziele und Forderungen nur uns selbst verpflichtet. Mit unserer Gewerkschaft sind wir in der Lage, Kraft zu entwickeln und für uns zu kämpfen.“

    Bundesfachkommission Pflege gebildet

    Michael Quetting beteiligt sich an den Debatten ver.di FB 03 RPS Der Pflegebeauftragte Michael Quetting
    Ebi Bruch ist auch Mitglied des Pflegebeirates ver.di FB 03 RPS Der Lehrer für Pflegeberufe Ebi Bruch engagierte sich besonders in den Diskussionen.

    Als einen wichtigen Schritt bezeichnete der ver.di-Pflegebeauftragte Michael Quetting, dass ver.di jetzt eine Bundesfachkommission Pflege berufen habe. Dies unterstreiche die Bedeutung der Berufsgruppe in den aktuellen Auseinandersetzungen. Auf Vorschlag des ver.di-Pflegebeirates hatte der Landesfachbereichsvorstand den Antrag gestellt, eine Bundesfachkommission Pflege bei ver.di zu berufen.

    Im April 2021 wurde diesem Antrag entsprochen. Damit würde man an die Tradition des Bundes freier Schwestern in der ötv anknüpfen, betonte Michael Quetting. „Aus Wärterinnen wurden Schwestern, aus Schwestern wurden Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, aus GuKs werden nun Pflegefachpersonen. Diese Entwicklung ist ohne Gewerkschaften nicht vorstellbar. Die gewerkschaftliche Geschichte habe sehr viel mit der Professionalisierung des Pflegeberufes zu tun wie auch mit der gesamten Entwicklung des Pflegeberufes,“ so der Pflegefachmann Quetting.

    ver.di-Fachbereichsleiter Frank Hutmacher im Gespräch mit Pflegepersonen aus der Unimedizin Mainz ver.di FB 03 RPS ver.di-Fachbereichsleiter Frank Hutmacher im Gespräch mit Pflegepersonen aus der Unimedizin Mainz