Aufstehn für die Pflege

    Radikale Kehrtwende nötig

    Vorschlag für Rheinland-Pfalz

    Masterplan Krankenhaus gefordert

    Am 16. Juli stellten der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Rheinland-Pfalz-Saarland in Mainz ein Konzept für einen „Masterplan Krankenhaus“ in Rheinland-Pfalz vor. Damit wurde ein Vorschlag zur Lösung des Krankenhausversorgung-Notstandes in Rheinland-Pfalz in die Debatte ein gebracht.

    Das Konzept wurde seitens des DGB vom Vorsitzenden Dietmar Muscheid und der Abteilungsleiterin Soziales und Gesundheit, Myriam Lauzi und seitens ver.di von dem Fachbereichsleiter Frank Hutmacher und dem Pflegebeauftragten Michael Quetting vorgestellt.

    Vorstellung der gewerkschaftlichen Vorschläge DGB Pressekonferenz am 16.7.20
    Pressekonferenz ver.di 03 Blick in die Konferenz
    Pressekonferenz am 16.7.20 in Mainz ver.di 03 Frank Hutmacher im Interview

    Dietmar Muscheid stellte fest: „Der Irrweg von Fallpauschalen, Konkurrenz zwischen den Krankenhäusern und dem Sachzwang zur Gewinnerzielung hat sich gerade in der Corona-Krise als kontraproduktiv erwiesen. Die Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass insbesondere kleinere Krankenhäuser nicht betriebswirtschaftlich sinnvoll geführt werden können. Personalnot und prekäre Arbeitsverhältnisse breiten sich aus. Die Folge dieses Personalmangels in der Gesundheitslandschaft sind Defizite in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung. Wir dürfen die wichtige Aufgabe einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung zukünftig nicht mehr so stark den Kräften des Marktes überlassen. Ein Herumdoktern an den Symptomen nutzt nichts mehr, es braucht eine Kehrtwende im Gesundheitssystem. Gesundheitsversorgung muss wieder stärker als staatliche Dienstleistung verstanden werden.“

    Grundlage für den Umbau des Gesundheitssystems soll der „Masterplan Krankenhaus“ werden. Er soll unter wissenschaftlicher Federführung der Universitätsmedizin Mainz in Zusammenarbeit mit dem DGB, der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz und dem Landtag erarbeitet werden.

    Das Gesundheitssystem ist vor allem bundesgesetzlich geregelt, doch auch im Land gibt es Hebel, um die Gesundheitsversorgung in der Fläche zu verbessern. So fordert Frank Hutmacher, der zuständige ver.di Landesbezirksfachbereichsleiter, eine bessere Vernetzung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, besonders in den ländlichen Gebieten: „Der Masterplan Krankenhaus soll den Bedarf in der Gesundheitsversorgung ermitteln und die Ressourcen bedarfsgerecht verteilen. Es ist sinnvoll, Spitzenmedizin zu zentralisieren, aber die Grund- und Regelversorgung muss flächendeckend gewährleistet sein. Das wollen wir dadurch erreichen, dass die ambulante fachärztliche Versorgung stufenweise in die Krankenhäuser integriert wird– vor allem dort, wo der Markt die Versorgung der Bevölkerung mit ambulanten fachärztlichen Leistungen nicht herstellt.

    Die Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung verursacht Schnittstellen- und Systembrüche. Das ist ineffektiv und teuer für die Versicherten. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der ambulant und stationär vorgehaltenen parallelen Versorgungskapazitäten im fachärztlichen Bereich. Dieses europaweit einmalige Konstrukt sorgt für doppelte Strukturen, doppelte Wartezeiten, doppelte Untersuchungen, doppelte Infrastrukturausstattung und doppelte Großgeräte – all das ist weder im Interesse der Patient*innen noch der Wirtschaftlichkeit.“

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