Aufstehn für die Pflege

    Deutliche Aufwertung für die Pflege

    Unimedizin Mainz hat neuen TV

    Aufwertung der Pflege gelungen

    Ein Hörsaal voller Teamdelegierter entschied

    Ein Tag vor den entscheidenden Verhandlungen legte die Universitätsmedizin Mainz ihr Jahresergebnis vor. 59,7 Millionen Euro minus, schon eine Woche vorher geisterte das Wort Sanierungstarifvertrag durch den Blätterwald. Da gibt es nichts für die Beschäftigten zu holen, so die Botschaft zwischen den Zeilen.

    Aber die Beschäftigten halten seit Wochen dagegen. Die Uniklinik wurde kurzerhand zum Problembezirk erklärt. Hinter einer Petition versammelte sich mehr als die Hälfte der Beschäftigten. Allein das hat es bis dato noch nicht gegeben. Die Forderungen waren anspruchsvoll und lange beraten, Strategie und Taktik ausgearbeitet, jeden Donnerstag trifft man sich, um zu überlegen, wie weit man im Team schon vorgedrungen ist. 139 Kolleginnen und Kollegen sind Teamdelegierte, haben sich vernetzt, machen gemeinsam Aktionen. Und so ist der Hörsaal der Hautklinik auch gut gefüllt, die Teamdelegierten haben sich akkreditiert und haben Stimmzettel erhalten, sie vertreten 1.842 Kolleginnen und Kollegen in der Uniklinik, über Telegram ist man verbunden mit Kolleginnen vor Ort. Die Verhandlungskommission kommt vorbei, berichtet, Entscheidungen müssen gefällt werden, Abstimmung, per SMS Kontakt zum Gewerkschaftssekretär bei den Verhandlungen. Verhandlungsführer Frank Hutmacher stellt seine Ideen immer wieder zur Debatte, wo ist unsere Schmerzgrenze, wie weit soll ich gehen?

    Frank Hutmacher im Hörsaal ver.di Beratung mit dem Verhandlungsführer

    Die Stimmungen gehen hin und her bei einem wahren Verhandlungsmarathon, der von mittags bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages läuft. Er verlangt auch von den Teamdelegierten viel ab, schließlich sind sie die Experten und sie bringen Vorschläge ein, machen auf Dinge aufmerksam, die man sonst vielleicht vergessen hätte. An der Tafel wird die Entwicklung dargestellt. Uns es wird diskutiert. Und hier scheint das Geheimnis zu liegen, denn die Einbeziehung macht die Kolleginnen mächtig. Das ist hier keine Floskel. Und die Verhandlungskommission fühlt sich gestärkt. Frank Hutmacher ist ein erfahrener Verhandler, aber er braucht in dieser Nacht nur selten zu bluffen, weil die 60 Teamdelegierten, die auch um 3.00 Uhr in der Frühe noch ausgeharrt haben, meinen es ernst. Das machten sie auch mit einer Notdienstvereinbarung, die Betten- und Stationsschließungen vorsieht, deutlich.

    Blick in den Hörsaal ver.di RPS Es wird beraten

    Man will einen kräftigen Schluck aus der Pulle, hatten die Tarifkommission schon im Vorfeld gesagt. Ja auch eine Sonderzahlung für die Pflegekräfte muss drin sein. Es sei gesellschaftlicher Konsens, dass man die Pflegeberufe aufwerten muss. Da hilft die gesamte ver.di. 350 Euro will man. 300 will man dann für die „Pflege am Bett“ anbieten, weil man denkt, dass die Kostenträger das refinanzieren. Pflege aufwerten heißt aber alle aufwerten, am Ende müssen alle 300 Euro haben, das ist unsere rote Linie beschließen die Teamdelegierten bei einer Stimmenthaltung, Es wird nach Kompromissen gesucht, ver.di will auch eine Verdoppelung der Zulagen. Aber dafür müsst ihr bei den anderen berufen nachgeben. „Never“ meint Hutmacher  und ver.di erklärt das zum absoluten No Go. Die allgemeine Erhöhung darf keinen Cent geringer ausfallen, weil die pflege aufgewertet wird.
    Mehrmals gibt es in der Nacht lange Unterbrechungen, die „Arbeitgeber“ müssen rechnen und sich beraten und auch ver.di diskutiert verschiedene Ideen und bleibt hart. Sieben Prozent mehr und höchstens zwei Jahre Laufzeit. Man einigt sich auf 3,25 % und nächstes Jahr 3,75 % für alle. Und die examinierten Pflegekräfte bekommen 300 Euro oben drauf. Der Arbeitgeber nennt es Treueprämie und verkompliziert die Modalitäten, aber ver.di lässt ihn nicht mehr los. Wir wollen es für alle, gut notfalls in drei Schritten. Die Teamdelegierten stimmen bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen zu. Der gordische Knoten ist durchschlagen.

    Einen guten Verhandler braucht es auch. ver.di RPS Frank Hutmacher
    An der Tafel ver.di RPS Immer den überblick behalten
    Was tun? ver.di RPS Was tun?
    Jung und älter ver.di RPS Gemeinsam sind wir stärker

    Ein großer Brocken ist die erstmalige Bezahlung der Auszubildenden der Gesundheitsfachberufe an den Lehranstalten der Universitätsmedizin. Mit einer aufsehenerregenden Aktion in der Mainzer Innenstadt hatten sie das Thema positiv besetzt, immerhin handelt es sich um 680 junge Kolleginnen und Kollegen, die für ihre Ausbildung kein Geld erhielten und viele mussten nebenher arbeiten. Ein Skandal, den ver.di jetzt ein Ende bereitet hat. Die Jugendlichen liegen sich gegenseitig in den Armen, es fließen Freudentränen.
    Aber damit nicht genug. Für den Personenkreis mit Fachweiterbildung verdoppelt sich die Zulage ab dem 1.7.2019 auf 150 Euro. In gleicher Höhe erhalten fortan auch die zertifizierten Stillberaterinnen und das fachweitergebildete Personal für die Notfallversorgung diese Zulage. Die Zulage für die Beschäftigten der Funktionsbereiche verdoppelt sich auf 90 Euro.
    Und den Hebammen im Perinatalzentrum Level 1 wird ab dem 1.7.2019 eine Zulage von 300 Euro monatlich gewährt. Zudem wurde ab dem gleichen Zeitpunkt eine höhere Eingruppierung in die Entgeltgruppe Kr8a vereinbart.
    Und es wird auch aufgeschrieben, dass wenn sich in den anderen Krankenhäusern geeinigt, dass die Pause bezahlt wird, dass das dann auch in Mainz umgesetzt wird. Wegen dem Jobticket will man gemeinsam zur Landesregierung fahren. Es ist schon außergewöhnlich, was alles geregelt wird.

    Es wird sich gemeldet ver.di RPS Meldung

    All das summiert sich auf beeindruckende Gehaltssteigerungen. So erhält eine Krankenpflegerin in Entgeltstufe 3 zum 1.7. nächsten Jahres insgesamt 17,24 Prozent mehr Geld. Eine Intensivpflegekraft kommt sogar auf 20,64 Prozent. Hebammen erhalten neben der 300-Euro-Zulage eine Höhergruppierung, weshalb ihr Gehalt um insgesamt 22,29 Prozent steigt. Kann sich je wer an solche Steigerungen erinnern?
    Mit dem in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt erzielten Tarifkompromiss ist man zweifellos der dringend nötigen Aufwertung der Pflegeberufe einen wichtigen Schritt näher gekommen. Die ver.di Betriebsgruppe am UMM hat nicht nur geredet und „man müsste, man könnte, man sollte“ blumige Worte in die Zeitung gesetzt. Seit November letzten Jahres hat man sich systematisch auf die Auseinandersetzung vorbereitet. Erfolgreich, wie man nun sieht. Durch die Tarifpolitik von ver.di gelang es im Frühjahr bei den Unikliniken, die das Tarifwerk der Länder anwenden einen Sonderbonus von 120 Euro zu vereinbaren, jetzt gelang es in Mainz einen großen Schritt mit 300 Euro zu gehen. Der Pflegeberuf wird attraktiver. So wächst das Gehalt bei einem „normalen“ Krankenpfleger in Stufe 3 von jetzt 2.966.30 über 3.2966,30 zum 1. Januar dieses Jahres über 3.362,70 ab dem 1.7.2019 zu 3.477,56 Euro zum 1. Juli 2020. Die weitergebildete Intensivkraft wird dann 4.016,19 Euro und die Hebamme, die in die Tarifauseinandersetzung auch mit b2966,30 Euro ging, wird schließlich 3.627,55 Euro haben.

    Abstimmung ver.di RPS Abstimmung der Teamdelegierten
    Schlussabstimmung ver.di RPS Abstimmung am Schluss
    Der Fachbereichsleiter freut sich mit seinen Kolleginnen und Kollegen. ver.di RPS Auch Frank kann sich freuen
    Abstimmung morgens kurz vor 4:00 Uhr ver.di RPS Die Schlussdiskussion
    Es ist vollbracht ver.di RPS Es ist vollbracht

    Als man gegen 4.00 Uhr am frühen morgen völlig übermüdet zur Schlussabstimmung schritt, da heißt es einstimmig „Frank, mach den Sack zu. Das ist ein tolles Ergebinis. Das bringt echte Aufwertung. Da brauchen wir uns nicht zu verstecken. Da gibt es bezüglich der materiellen bedingungen weit und breit keine besseren Angebote.
    Und so herrschte Erleichterung als um 11:00 Uhr die Verhandlungsführer der Tarifkommissionen der Gewerkschaft ver.di und der Universitätsmedizin Mainz Frank Hutmacher und Christian Elsner zusammen mit Pflegevorstand Marion Hahn und dem Medizinischen Vorstand und Vorstandsvorsitzenden der Universitätsmedizin Mainz Norbert Pfeiffer vor die Presse traten. Fernsehen und die schreibende Zunft waren da und drängten sich um die ver.di-Vertreter. Erleichterung auf allen Gesichtern. Währenddessen informierten die Teamdelegierten schon ihre Kolleginnen auf den Stationen.
    Und was kommt nach der Aufwertung, wurden sie gefragt? Um die Arbeit zu bewältigen braucht es mehr Personal und Entlastung. Das stand diesmal nicht auf der Tagesordnung, aber die Teamdelegierten haben schon dran gedacht, denn allen ist klar: Mehr von uns ist besser für alle.

    Die Tarifeinigung ver.di RPS Die Tarifeinigung Seite 1
    Die Einigung Seite 2 ver.di RPS Tarifeinigung Seite 2
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