Aufstehn für die Pflege

    Amaneh Abedian kämpft für Entlastung

    Portrait

    Marta-Drumm-Medaille für saarländische Pflegefachfrau

    Schon als Elfjährige geht Amaneh Abedian – genannt Golnaz – bei der Revolution im Iran 1979 auf die Straße, verteilt Flugblätter einer linken Partei. Später ist sie im Untergrund aktiv, muss mit ihrer kleinen Tochter aus dem Land fliehen. »Wenn ich etwas will, setze ich mich dafür ein. Das ist mein Recht – und fertig«, sagt die 52-Jährige. »Dieser Gedanke hat mir gefallen.« Bis heute. Die Krankenpflegerin aus dem Knappschaftsklinikum in Sulzbach ist seit Jahren aktiv bei ver.di, kämpft für mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Dabei hat sie vor allem das Wohl der Menschen im Blick. Sowohl der Pflegekräfte als auch der Patient*innen. Für ihren Einsatz für Menschlichkeit und Solidarität wurde ihr im November 2020 die Marta-Drumm-Medaille verliehen, die von der ver.di-Region Saar Trier, der Peter Imandt Gesellschaft/Rosa-Luxemburg-Stiftung und der VVN/Bund der Antifaschisten  gestiftet wird.

    Amaneh Abedian 2020 Privat Amaneh Abedian

    Auf herzliche Art erzählt Golnaz, ihre Kolleg*innen nennen sie Goly, von ihrem Leben, lacht dabei oft. Schon als kleines Mädchen habe sie nicht verstehen können, warum einige Kinder in ihrer Klasse so viel weniger Geld hatten als andere, sagt die Pflegerin. »Warum haben nicht alle gleich viel?« Ihre Meinung zu sagen, sich für ihre Rechte einzusetzen, sei für sie das Wichtigste überhaupt. »Sonst kann ich nicht leben.« Nach dem Sturz des Schahs ließ sich Golnaz von der politischen Aufbruchsstimmung im Iran mitreißen, engagierte sich als Schülerin in der Opposition, kämpfte gegen die Islamisierung, für Freiheit und Gerechtigkeit. Aus Angst um ihr Leben hätten sich viele Aktive zurückgezogen, berichtet Golnaz. Sie selbst war im Untergrund weiter politisch aktiv. Die jungen Leute trafen sich heimlich in leer stehenden Häusern, warfen nachts Flugblätter über die Mauern in der Nachbarschaft und klingelten bei alten Freund*innen, um sie zum Weitermachen zu überreden. »Wir waren jung«, sagt die 52-Jährige, »und naiv.« Bis die Polizei vor der Tür stand. Die Mitstreiter*innen konnten durch den Garten türmen. Golnaz, 17, und ein junger Mann blieben zurück, gaben vor, ein Liebespaar zu sein. Doch so eine Beziehung war im Chomeini-Regime verboten. Die Sittenpolizei steckte das Paar ins Gefängnis und gab ihnen 14 Tage Zeit, um zu heiraten. Die junge Frau dachte: »Besser heiraten, als erhängt zu werden.« Doch ihr Ehemann entpuppte sich als äußerst aggressiv.

    Goly nach der Überhabe der Auszeichnung ver.di 03 Vor dem Krankenhaus  – Medien und offizielle Vertreter empfingen die Ausgezeichnete nach ihrem Schichtende vor dem Knappschaftskrankenhaus in Sulzbach