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    Schwitzend in die Altersarmut: Fahrpersonal am Limit

    Fachbereich Verkehr

    Schwitzend in die Altersarmut: Private Busunternehmen im Saarland sorgen sich wenig um die Beschäftigten und spielen mit der Gesundheit der Fahrgäste

    06.07.2017
    wie lange noch? ver.di - Bernd Lohrum Symbolbild

    Man könnte meinen, ein Mensch der verantwortungsvoll durchschnittlich 50 Fahrgäste durch das Saarland kutschiert, verdient gute Löhne, ist ausgeruht, hat eine Interessenvertretung und geht in einen entspannten, bodenständigen Ruhestand. Für 1500 Beschäftigte im privaten Busgewerbe im Saarland ist das anders.

    Im Rahmen der ver.di Rentenkampagne zieht Christian Umlauf, Gewerkschaftssekretär für den Verkehrsbereich, durch das Saarland und besucht aktuell Busfahrerinnen und Busfahrer aus dem privaten Busgewerbe: „Ich treffe dort Fahrpersonal an, dass seit 47 Jahren arbeitet, das Renteneintrittsalter längst erreicht hat und trotzdem noch nebenbei fährt, weil die 950.- Euro Rente nicht zum Leben reichen.“  Eine betriebliche Altersvorsorge gibt es in der Branche nicht – weder im Saarland noch im angrenzenden Rheinland-Pfalz. Betriebsräte gibt es im privaten Gewerbe eher selten.

    Auch andere Probleme belasten das Fahrpersonal und damit auch die Fahrgäste: Hitze in den Fahrzeugen, durch teils nicht vorhandene Klimatisierungsmöglichkeiten. „Die ist abgeklemmt vom Unternehmer, spart Sprit – aber im Chefbüro funktioniert sie!“ sagte ein Busfahrer im Saarland. In anderen Fällen waren keine Anlagen vorhanden oder um max. 2 Grad runter zu regeln. „Bei 46 Grad im Fahrzeug - ein Tropfen auf den heißen Stein,“ sagte Umlauf.

    „Aus unserer Sicht ist das unzumutbar und hochgefährlich, für Fahrpersonal und Gäste. Fahrgäste die wegen Übelkeit aussteigen, weil ihnen vor Überhitzung schlecht wird, sind keine Seltenheit,“ sagte Umlauf erbost. Das Personal klage weiterhin über mangelnde Möglichkeiten etwas ausreichend trinken, da Toiletten fehlten und das Getrunkene wieder „raus“ müsse. Getoppt werden diese Aussagen nur noch von unbezahlter Mehrarbeit. Eine Fahrerin erzählte ver.di: „13 Stunden Dienst – 7 werden bezahlt. Abrechnungen sind nicht nachvollziehbar. Lenk- und Ruhezeiten werden systematisch überschritten.“ Ver.di gibt zu bedenken, dass auch Teile des Schülerverkehrs über diese Unternehmen abgewickelt werden.

    Ver.di fordert die Beschäftigten auf, mit Hilfe der Gewerkschaft sich in Betriebsräten zu organisieren und für ihre Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Die Politik dürfe laut Umlauf: „Öffentliche Aufträge nur an mitbestimmte Betriebe vergeben, die fair mit ihren Beschäftigten umgehen.“ Eine weitere Forderung seitens ver.di ist: eine sog. Ausbildungsquote, um dem Fachkräftemangel der Branche entgegenzutreten. „Wir haben keinen Betrieb gefunden, der überhaupt Fachkräfte im Fahrbetrieb ausbildet,“ sagte Umlauf abschließend.

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